Ich bin auf der Suche nach geruchsneutralen Beinbeuteln.

Kunde: Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ein paar Tagen wurde meinem Mann ambulant ein Suprapubischer Katheter gelegt. Wir haben von der Apotheke zuerst nur einige Bettbeutel geliefert bekommen. Im Nachhinein auch 2 Beinbeutel. Leider riechen die Beinbeutel unangenehm und entsprechen nicht unseren Vorstellungen.

Wir versuchen jetzt den richtigen Hersteller für unseren Bedarf zu eruieren und bitten Sie uns auf diesem Wege um eine kostenlose Bemusterung der entsprechenden Beinbeutel Ihrer Produktion. Die Verordnung lautet - HMK 15.25.07.1008 - Cystobag 1 L Urinbeinbeutel mit Ablaß und Tropfkammer

Wir hoffen, dass Sie uns helfen können und somit auch langfristig beliefern werden.

Mit freundlichen Grüßen

Admin: Sehr geehrte Fam. W.

vielen Dank für Ihre Mail und Ihre Anfrage nach einer kostenlosen Bemusterung von Beinbeuteln (die Ihren Vorstellungen entsprechen). Gern helfen wir Ihnen bei der Produktfindung. Als Fachhändler für urologische Hilfsmittel haben wir aber keine "eigenen" Produkte im Sortiment, sondern nur von vielen verschiedenen Herstellern.

Sie geben an, dass für Sie die Geruchsneutralität der Beinbeutel ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist. Das sehen wir auch so. Dennoch müssen Sie beachten, dass für einen Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen einer Hilfsmittelversorgung über Rezept die Regularien des Sozialgesetzbuches V gelten. Ohne in Details zu gehen... die Geruchsneutralität des Hilfsmittels kann der Versicherte im Rahmen der Versorgung nicht verlangen, weil sie nicht medizinisch notwendig ist.

Aber selbst, wenn Sie so ein Produkt käuflich erwerben würden, könnten wir Ihnen kein entsprechendes Produkt benennen. Alle uns bekannten Urinauffangbeutel werden seit Jahren nur noch in Asien gefertigt. Die Herstellung der Kunststoffe erfolgt dort sehr "kosteneffizient". Somit sind alle Urinauffangbeutel nicht geruchsneutral schon in der Herstellung.

Bei allen sterilen Urinauffangbeuteln kommt noch erschwerend die Gas-Sterilisation dazu. Dazu wird das bereits verpackte Produkt in einer Kammer mit heißem Gas behandelt. Dieser Vorgang führt zu einer erheblichen Geruchsbelastung (es riecht stark chemisch). Im Anschluss sollten diese Produkte dann mehrere Wochen "ausgasen". Meist kommen die Produkte aber eher in den Vertrieb.

In der Anwendung der Urinauffangbeutel kommt dann ein zusätzlicher Geruch dazu. Der Anwender fängt seine Ausscheidungen (hier Urin) im Beutel auf. Je nachdem wie der Harn belastet ist (Medikamentenrückstände, Eiweiß, Blut, Konzentration des Harn) kann das sehr unangenehm sein. Innerhalb kurzer Zeit kann das unerträglich werden. Jeder hat da eine andere Schwelle. Aber für diese Geruchsbelastung kann der Anwender selbst etwas machen. Gerade die Konzentration ist durch eine erhöhte Trinkmenge beeinflussbar (Verdünnung). Auch die Dauer der Anwendung eines Beutels hat eine hohe Relevanz, weil sich über die Zeit im Beutel Ablagerungen (Biofilm) bilden, die häufig die Geruchsbelastung erhöhen.

Die Folienstärken (Wandung der Beutel) werden von den Herstellern nicht kommuniziert. Es ist aber eine einfache Logik, dass eine dünnere Folie den Geruch schlechter abhält. Wir können Ihnen daher nur empfehlen, verschiedene Beutel zu testen, die zu mindestens funktional und optisch Ihren Vorstellungen entsprechen würden und dann im "Langzeittest" auszusieben. An Ihren "Erfahrungen" wären wir dann natürlich interessiert. Eine Versorgung über ein Rezept Ihrer Krankenkasse können wir bei Bedarf für Sie umsetzen. Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie uns gern auch telefonisch kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Team von Katheterladen.de

Kunde:

Sehr geehrter Herr M.

vielen herzlichen Dank für Ihre sehr umfangreichen Informationen, die für uns als "Anfänger" sehr wertvoll sind.

Wir arbeiten uns langsam in die Materie ein und werden Sie im Rahmen unserer praktischen  Erfahrungen langfristig auf dem Laufenden halten.

Zuerst einmal werden wir versuchen, bei der Krankenkasse einen erhöhten Bedarf geltend zu machen - 9 Beinbeutel für 3 Monate sind schon arg wenig, wie wir finden.

Es ist echt schade, dass der Patient zwar mit Katheter aber ohne weitere Infos an der Hand einfach aus der Praxis verabschiedet wird. Es wird einfach davon ausgegangen, dass der Patient sich schon selbst um seine Wundversorgung zu Hause und weiteren Bedarfe selbst kümmert. Nur gut, dass es im Netz Foren gibt und liebe Menschen wie Sie, die für weitere Unterstützung zur Verfügung stehen. Dafür Ihnen vielen herzlichen Dank!!!!

Mit freundlichem Gruß

Familie W.

Admin:

Sehr geehrte Frau W.

vielen Dank für Ihre Mail und die freundliche Anerkennung unserer Beratung.

Was die Menge an Beinbeuteln betrifft... gestatten Sie uns bitte dazu einen Hinweis.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind an das Hilfsmittelverzeichnis gebunden. In diesem Verzeichnis werden alle Hilfsmittel die zur Leistungspflicht gehören in Kategorien eingeteilt. Die Kategorien geben dann auch Auskunft für welche Indikationen diese zu verwenden sind und welche Parameter gelten.

In Ihrer ersten Mail haben Sie das verordnete Produkt angegeben "HMK 15.25.07.1008 - Cystobag 1 L Urinbeinbeutel mit Ablaß und Tropfkammer". Dieses Produkt gehört zur Kategorie (Produktart) "15.25.07.1 - Kombinierte Bett- und Beinbeutel mit Tropfkammer". Dazu der entsprechende Link: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/home/verzeichnis/08edfef2-035c-4107-be06-ac13595b9d7e

Dort finden Sie auch eine "Beschreibung" der Produktart, die Sie auch lesen sollten.

Das Besondere an dieser Produktart ist die zusätzliche Keimbarriere (Tropfkammer). Erkennen können Sie diese als runde dicke Kammer angeordnet bevor der Schlauch in den Beutel führt. Durch dieses zusätzliche Merkmal (gegenüber einfachen Beinbeuteln) ist eine längere Anwendung (nur funktional) möglich und wirtschaftlich.

Im Anhang finden Sie das Produktdatenblatt des Herstellers und die Gebrauchsanweisung. Wie Sie dort nachlesen können, sagt der Hersteller: "Die Anwendungsdauer des Produktes ist für einen Zeitraum von maximal 14 Tage ausgelegt." Die Krankenkassen orientieren sich an diesen Vorgaben und haben meist Mengenrichtwerte festgelegt. Nur wenn die medizinische Notwendigkeit (z.B. wiederholte Harnwegsinfekte) einen höheren Bedarf begründet, wird eine größere Menge (häufigerer Wechsel) bezahlt. Sie können Sich sicher vorstellen, dass diese Beutel nicht erst nach einer Woche Anwendung anfangen unangenehm zu riechen.

Nur einfache Beinbeutel, die keine Tropfkammer haben, werden häufiger gewechselt (Vorbeugung von Harnwegsinfekten). Sie sind deutlich billiger und damit wirtschaftlicher. Der häufigere Wechsel kommt der Geruchsproblematik entgegen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Team von Katheterladen.de

Kunde:

Sehr geehrter Herr M,

vielen herzlichen Dank auch für die genaue Beschreibung sowie Anwendungshinweise. Die enthaltenen Informationen beruhigen uns doch sehr und machen uns sicherer im Umgang.

Wir wollen mal hoffen, dass mein Mann mit Ihren Informationen so schnell keine Harnwegsinfektion mehr bekommt. Die Verschreibung von Antibiotika sollte ja kein Dauerzustand werden. Erhöhter Bedarf bei der Krankenkasse ist damit aber sehr wohl zu begründen, wie ich finde.

Sie haben uns sehr geholfen und wir werden in ein paar Wochen hoffentlich positiv berichten können. Nochmals vielen herzlichen Dank für Ihre tatkräftige Unterstützung.

Mit freundlichem Gruß

Familie W.

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